Dorfchronik Dohrgaul

Der Inhalt dieser Dorfchronik bezieht sich im wesentlichen auf die Erinnerungen und Aussagen der ältereren Mitbürger. Für Hinweise zur Erweiterung oder Optimierung der Dorfchronik sind wir jeder Zeit dankbar.

Um 1800 bestand die Ortschaft Dohrgaul aus 10 Häusern mit etwa 90 Einwohner, geprägt von Handwerks- und Landwirtschaftlichen Betrieben.

Eine Überlieferung besagt, dass Niederklüppelberg zu dieser Zeit Sitz des Bürgermeisteramts der damaligen Gemeinde Klüppelberg war. Das ehemalige Amtsgebäude steht noch heute in der Kurve gegenüber der Firma Messerschmidt. Ein berittener Gendarm war dort fest stationiert, um schon damals für die Beachtung behördlicher Anordnungen zu sorgen.

Die heutige Dorf- bzw. Kreisstraße, wurde bereits 1860 erbaut und diente als Handels- und Verkehrsweg zwischen Köln und Sauerland.

Zur Instandhaltung des damaligen Wegenetzes wurde für die Landwirtschaft ein Hand- und Spanndienst behördlich angeordnet. Wer dieser Anordnung nicht nachkam, musste für die nicht geleisteten Arbeitsstunden ein Entgeld entrichten.

In Dohrgaul hat jedes der noch aus der damaligen Zeit stehenden Häuser, eine vielschichtige Verwendung gefunden.

Fahrensleute übernachteten in der Gastwirtschaft Bosbach (Dohrgaul 4 Fam. Franz), wechselten dort die Pferde und brachten auf beschwerlichen Wegen ihre Handelswaren zu deren Abnehmern.

Um 1900 war Dohrgaul ein Zentrum von Gewerbebetrieben aller Art, die von der Landbevölkerung im weiten Umkreis benötigt wurden. Hier befanden sich eine Schmiede (Dohrgaul 1 Fam. Jämmrich) ,eine Stellmacherei, eine Schreinerei (Dohrgaul 13 Haus Flosbach), ein Schuster (Dohrgaul 17 Fam. Mücher/Gardeweg) und 2 Lebensmittelgeschäfte (Dohrgaul 26 Fam. Peters/Kausemann und 33 Fam. Dreiner bzw. später 42 Fam. Causemann).

Auf dem Gelände des Gutes Dohrgaul (Dohrgaul 27 Fam. van den Berg) befand sich eine Schnapsbrennerei, die im weiten Umkreis die Gastwirte versorgte. Die Brennerei brannte vor dem ersten Weltkrieg nieder und wurde danach nur noch bedingt in Betrieb genommen. Der große Schornstein auf dem Anwesen wurde im Mai 1982 abgebrochen.

Zur zentralen Molkerei (Dohrgaul 19 Haus Kausemann) lieferten die Landwirte aus dem Umkreis von ca. 30 km per Hund-Esel oder Pferdegespanne ihre Milch ab.

In der Molkerei wurde die Milch entweder zu Butter verarbeitet oder aber als Frischmilch wiederum mit Gespannen zum Bahnhof der Stadt Wipperfürth gebracht, von wo sie  zum Verbrauch in die Städte transportiert wurde.

Nach Umbau des Gebäudes dient die damalige Molkerei heute Wohnzwecken.

Über das Gemeindehaus bzw. Bürgermeisterhaus bei Börsch (Dohrgaul 23) weiß man nichts genaues.

Bedingt durch die damalige wirtschaftlich zentrale Lage befanden sich im Ort 4 Gast- bzw. Schankwirtschaften (Dohrgaul 4 Fam. Franz mit Saal und Schiesstand, 23 Fam. Börsch, 31 Fam. Heller und 35 Fam. Gerke mit Kegelbahn). Ältere Mitbürger erinnern sich gern daran, dass zu dieser Zeit noch ein „Klarer“ für fünf Reichspfennig zu erhalten war. Kein Wunder also, dass während des Hufbeschlages oder aber der Milchanfuhr diese Wirtschaften gern aufgesucht wurden.

Die letzte leistungsfähige, seit Generationen geführte Gastwirtschaft (Dohrgaul 4), die früher, wie bereits erwähnt, Umschlagplatz für Pferdegespanne war, wurde 1994 geschlossen und zu Wohnzwecken umgebaut.

Ein wasserangetiebenes Mühlwerk hinter dem Mühlenteich (Dohrgaul 31 Fam. Heller), verarbeitete das angelieferte Getreide und versorgte nicht nur die Bürger, sondern auch die im Umkreis befindlichen Bäckereien mit Mehl.

Ältere Mitbürger erinnern sich noch, dass der damalige Besitzer mit Hund- und Eselsgespann seine Backwaren auslieferte.

Der so genannte Mühlenteich ist noch heute erhalten.

Vom Mühlenteich aus wurde schon kurz nach 1900 per Wasserantrieb Energie abgegeben. So hatten die Bürger in Dohrgaul der damaligen Zeit vorausgehend für die Haushaltungen Strom und waren in der Lage, Maschinen ihrer Betriebe rationell einzusetzen.

Gebäude und Scheunenbrände veranlassten die Bürger im Jahre 1908 eine freiwillige Feuerwehr zu gründen und einen Geräteschuppen zu erstellen.

Dohrgaul hat eine voll einsatzfähige Feuerwehr und seit 2001 ein modernes neues Gerätehaus am Ortsausgang Richtung Kempershöhe.

Die Schulkinder der umliegenden Ortschaften mussten von 1822 bis 1950 die am „Hahnenberg“ gelegene einklassige Schule, oftmals unter widrigen Witterungs- und Wegverhältnissen aufsuchen.

Ein ausgesprochener Bürgersinn veranlasste die „Dohrgauler“, sich für eine zentral gelegene Schule einzusetzen und die erforderlichen Erd- und Abfuhrarbeiten freiwillig und kostenlos zu übernehmen. So entstand im Jahre 1950 eine den damaligen Verhältnissen entsprechende moderne, zentral gelegene Schule in der bis 1968 unterrichtet wurde. Seit dem befindet sich in dem Gebäude ein Kindergarten der Stadt Wipperfürth.

Von den Wirren des 1 und 2. Weltkrieges wurde Dohrgaul weitgehend verschont. Einige Tieffliegerangriffe verursachten zum Glück weder Personen- noch nennenswerte Gebäudeschäden.

Von den aus Gimborn heranrückenden Amerikanischen Truppen wurden vorübergehend Wohnungen zur Unterkunft beschlagnahmt.

Der im Jahre 1978 gegründete Bürgerverein Dohrgaul e.V. konnte zum 25-jährigen Bestehen im Sommer 2003 die Dorfhütte neben dem Kindergarten einweihen. Die gepflasterte Parkfläche vor Kindergarten und Dorfhütte wurde gemeinschaftlich mit den Eltern der Kindergartenkinder und den Bürgervereinsmitgliedern 2004 hergestellt.

Mit den in den letzten Jahren erstellten Neubauten und den noch bebaubaren Plätzen kann Dohrgaul als eine aufstrebende Ortschaft bezeichnet werden.

Unsere „Industriegesellschaft“ brachte es mit sich, dass die Bewohner überwiegend als „Pendler“ in auswärtigen Betrieben beschäftigt sind und nur noch 1 Landwirt den Landwirtschaftlichenbetrieb führt.

 

Verfasst 1983

Überarbeitet 2006


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